Synoptische Übersicht - Mittelfrist

ausgegeben am Sonntag, den 21.04.2024 um 10.30 UTC



Insgesamt wechselhaft mit zeitweiligen Niederschlägen, anfangs teils Schnee und Nachtfrost. Zum Wochenende allmählich milder, im Osten mit gewisser Wetterberuhigung.

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 28.04.2024

Entsprechend der eher mäßigen Konsistenz ist die Vorhersage mittelfristig relativ unsicher, die Beschreibung im Folgenden stützt sich auf den aktuellen IFS-Modelllauf von 00 UTC, da auch der gestrige 12 UTC-Lauf bereits mehr in diese Richtung tendierte und auch das ICON den Verlauf ganz gut unterstützt.

Zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch befindet sich Deutschland nach wie vor unter dem Trog über Mitteleuropa und es dominiert hochreichende Kaltluft mit teils unter -30 Grad in 500 hPa und 850 hPa-Temperaturen meist zwischen -3 und -5 Grad. Das Temperaturniveau ist nach wie vor gedämpft, die Höchstwerte liegen meist zwischen 7 und 12 Grad. Über Deutschland liegt eine flache Bodentiefzone. Im Tagesverlauf kommt es verbreitet und wiederholt zu meist schauerartigen Niederschlägen, dabei fällt Schnee im Bergland bzw. bei kräftigeren Schauern bis in mittlere Lagen. Anfangs kann es an den Alpen mit ausklingender Gegenstromlage noch regnen bzw. schneien, diese Niederschläge klingen aber weitgehend ab bzw. werden dann ggf. von Schauern abgelöst. Durch kompensierendes Absinken über den östlichen Landesteilen ist dort die Niederschlagsneigung etwas geringer. Kompensierendes Absinken daher, weil ein Anteil des Höhentroges über dem östlichen Mitteleuropa/Osteuropa nordwärts geführt wird und am Boden ggf. eine Vb-artige Tiefentwicklung über Polen/Tschechien für anhaltenden Regen mit ggf. markanten Regenmengen sorgt. Das könnte im weiteren Verlauf evtl. auch Auswirkungen auf die Wasserstände an Oder und Neiße (evtl. auch an der Elbe) haben - die Unsicherheiten sind aber noch groß... Auch in der Nacht ändert sich wenig an der Gesamtsituation. Das Drehzentrum des Höhentiefs verlagert sich samt der höhenkältesten Luft etwas südostwärts. Weitere schauerartige Niederschläge (teils Schnee) treten daher auch nachts auf, der Scherpunkt verlagert sich ggf. etwas in di südlichen Landesteile. Es muss teils mit Glätte und vor allem auch gebietsweisem Frost gerechnet werden, Bodenfrost tritt recht verbreite auf.

Am Donnerstag verlagert sich der Trog allmählich ostwärts, über dem Atlantik knapp westliche der Britischen Inseln kommt es zu einer neuen, zunehmend markanten Austrogung. Dazwischen wölbt sich vorübergehend ein flacher Keil auf. In der auf West bis Südwest drehenden Strömung sickert von Südwesten allmählich etwas mildere Luft mit 850 hPa-Temperaturen über 0 Grad ein. Die Schauertätigkeit lebt also erneut auf, im Bergland teils Schneeschauer. Im Tagesverlauf lässt von West/Südwest die Schauerneigung allmählich nach. Nachts bleibt es voraussichtlich weitgehend trocken. Gebietsweise tritt noch Frost in Bodennähe auf, Luftfrost dürfte abseits des Berglandes meist kein Thema mehr sein.

Am Freitag sorgt der flache Keil zunächst für weitgehend störungsfreies Wetter. Der Trog über Westeuropa amplifiziert weiter und verlagert sich leicht östlich, so dass wahrscheinlich mindestens die westlichen Landesteile auf die Vorderseite gelangen und eventuell auch in den Einflussbereich der westeuropäischen Bodentiefzone. Daher überwiegt im Tagesverlauf im Westen stärkere Bewölkung und es kann zeitweise etwas regnen. Nach Osten hin ist es freundlicher und es bleibt häufig trocken. Durch die Amplifizierung des Troges über Westeuropa steilt die Strömung bei uns weiter auf südliche Richtungen auf und die polare Luftmasse wird nordostwärts abgedrängt. In der einfließenden, milderen Luftmasse sind 850 hPa-Temperaturen zwischen 2 Grad im Nordosten und um 8 Grad im Südwesten zu erwarten. Mit Höchstwerten meist zwischen 10 und 14 Grad, im Südwesten eventuell bis 16 Grad, wird es nun wieder milder. An den Alpen dürfte sich eine Föhnsituation einstellen, auch dort sind Höchstwerte um 16 Grad möglich, entsprechende Böen deuten sich bisher nur für die Gipfellagen an. Luftfrost dürfte mit Ausnahme höherer Berglagen im Osten/Südosten nicht mehr auftreten.

Am Samstag verlagert sich der westeuropäische, weit nach Süden reichende Trog nur wenig. Der Westen des Landes liegt auf dessen Vorderseite und das Frontensystem des korrespondierenden Bodentiefs mit Zentrum bei den Britischen Inseln streift/schleift. Daher überwiegt im Westen weiterhin dichtere Bewölkung und es kann zeitweise regnen. Die östlichen Landesteile können wahrscheinlich noch vom Keil über dem östlichen Mitteleuropa profitieren, an den Alpen ist es weiterhin föhnig (markante Böen wahrscheinlich nur in Gipfellagen). Es bleibt dort also überwiegend trocken und die Sonne kann zeitweise scheinen. Mit der südlichen Strömung wird noch mildere Luft herangeführt, die 850 hPa-Temperaturen steigen auf 6 bis 8 Grad im Norden und auf teils über 10 Grad in der Südhälfte. Das Temperaturniveau geht also weiter nach oben, es können Höchstwerte meist zwischen 14 und 19 Grad erwartet werden, im Südwesten und an den Alpen teils um 20 Grad. Luftfrost tritt nicht mehr auf, im Südosten ggf. noch Bodenfrost.

Am Sonntag ist das Trog-Keil-Muster weiterhin recht statisch und somit ändert sich zum Samstag kaum etwas: Der Westen wird vom Frontensystem des Tiefs bei den Britischen Inseln (Zentrum nun etwas weiter nördlich bei Schottland) mit Bewölkung und etwas Regen gestreift. An den Alpen weiterhin leicht föhnig und der Osten kann voraussichtlich weiterhin vom blockierenden Keil über dem östlichen Mitteleuropa/Osteuropa profitieren. Dort ist es freundlicher und meist trocken. In der Südströmung gelangt vor allem über dem Osten die milde Luft mit 850 hPa-Temperaturen über 10 Grad (im Südosten um 14 Grad) noch weiter nordwärts. Im Nordwesten liegen die Temperaturen in 850 hPa um 5 Grad. Die Höchstwerte liegen meist zwischen 17 und 21 Grad, im Osten mit Sonnenunterstützung teils bei 22 bis 24 Grad.

In der erweiterte Mittelfrist scheint sich das Blocking östlich von uns fortzusetzten und Deutschland liegt im Übergangbereich zwischen dem blockierenden Keil/Bodenhoch über dem östlichen Mitteleuropa/Osteuropa und dem weit nach Süden ausgreifenden Trog über Westeuropa. Die Details sind unsicher: Wie viel Niederschläge erreichen zunächst den Westen? Ob und wann greift der Trog weiter nach Osten über und beendet dort das weitgehend störungsfreie Wetter? Wie lang hält der Zustrom der teils sehr milden Luftmassen vor allem im Osten an?

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs

Die Konsistenz der vorliegenden IFS-Modellläufe kann höchstens zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch noch als gut bezeichnet werden, da die Grundstrukturen (Trog Mitteleuropa) noch recht ähnlich sind. Allerdings dürfte auch da bereits die Detailvorhersage der grundsätzlich wechselhaften Witterung mit Unsicherheiten behaftet sein. Im weiteren Verlauf der Mittelfrist sind die Lösungen der verschiedenen Modellläufe in punkto Timing, Struktur und Position der Trog-Keil-Struktur doch noch recht variabel.

Vergleich mit anderen globalen Modellen

Beim Blick auf andere Globalmodelle fällt auf, dass ICON relativ ähnlich zum aktuellen IFS-Lauf simuliert. GFS und auch UK10 hingegen sind deutlich progressiver aufgestellt bzw. zeigen einen andere Trog-Keil-Struktur: Nach Trog Mitteleuropa erfolgt eine neue Austrogung zum Freitag, im Verlauf des Wochenendes folgt bereits die markante Austrogung über Westeuropa, zudem weiter östlich als IFS/ICON dies simulieren. Damit würde sich eine allgemein wechselhaftere Witterung im Vorhersagegebiet einstellen und der Aufwärtstrend bei den Temperaturen würde deutlich geringer ausfallen...

Insgesamt ist also die genaue Ausgestaltung des Wetterablaufes und das Ausmaß des Temperaturanstieges in der zweiten Wochenhälfte unsicher.

Bewertung der Ensemblevorhersagen

Zu Beginn der Mittelfrist zeigt die Clusteranalyse des IFS für den Zeitraum von Mittwoch 00 UTC bis Donnerstag 00 UTC (+72 bis +96 h) drei Cluster, die entsprechend des Troges über Mitteleuropa weitgehend dem Regime "Atlantic ridge" zugeordnet werden. Haupt- und Kontrolllauf werden in Cluster 1 (26 Member) einsortiert. In den unterschiedlichen Clustern wird die genaue Ausgestaltung des Mitteleuropatroges verschieden simuliert, so dass sich eben durchaus Unsicherheiten in den Details (Niederschlagsschwerpunkte) ergeben können. Der allgemein wechselhafte Witterungscharakter ist aber ziemlich sicher. Im Folgezeitraum von Freitag 00 UTC bis Sonntag 00 UTC (+120 bis +168 h) werden sechs Cluster mit 14, 12, 11, 5, 5 und 4 Membern angeboten, Haupt- und Kontrolllauf werden Cluster 1 zugeordnet. Alle werden dem Regime "NAO negative" zugeordnet. Cluster 4 bis 6 ähneln mit insgesamt 14 Membern etwas mehr dem GFS, wobei der Übergang von Trog Mitteleuropa in Trog Westeuropa/Rücken Osteuropa mit dem Durchgang eines weiteren (kürzerwelligen) Troges am Freitag vollzogen wird. Also ein insgesamt, auch im Osten unbeständigeres Szenario.

Die Rauchfahnen einiger deutscher Städte wurde begutachtet und es lässt sich festhalten, dass sich der Spread zum kommenden Wochenende (also ab etwa Tag 3 bis 4 der Mittelfrist zunehmend weitet und der Hauptlauf sowohl bei der Temperatur in 850 hPa als auch beim Geopotenzial in 500 hPa meist im oberen Bereich aufhält. Die Niederschlagssignale gehen vor allem im Osten und Süden zum Wochenende zurück, nehmen aber dann auch in der erweiterten Mitelfrist allmählich wieder zu.

Fazit: Allgemein wechselhaft mit Unsicherheiten im Detail. Zum Wochenende im Osten/Südosten wahrscheinlich Wetterberuhigung. Dabei ansteigendes Temperaturniveau, eventuell aber nicht so markante wie der Hauptlauf vermuten lässt (Beschreibung oben). Spätestens zur erweiterten Mittelfrist wohl auch im Osten allmählich wieder wechselhafter.

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen

Anfangs kann es dabei vor allem im Bergland noch zeitweise schneien, bei kräftigeren Schauern auch mal bis in mittlere Lagen. Auch Nachtfrost ist zu Beginn der Mittelfrist noch ein Thema - zumindest gebietsweise, recht verbreitet Frost in Bodennähe. Die Frostgefahr geht zum Ende der Woche zurück. Wind dürfte hinsichtlich Warnungen kaum eine Rolle spielen, ggf. der Föhn an den Alpen zum Wochenende. Da deuten sich aktuell aber höchstens für die Gipfel warnrelevante Böen an.

Abseits der winterlicher Aspekte, die in Anbetracht der mittlerweile fortgeschrittenen Jahreszeit bzw. Natur durchaus relevant/markant sind, stehen also keine markanten Wetterereignisse im Sinne unserer Warnkriterien an.

Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-EPS, MOS-Mix



VBZ Offenbach / Dipl.Met. Sabine Krüger