Synoptische Übersicht - Mittelfrist
ausgegeben am Sonntag, den 30.11.2025 um 10.30 UTC
Vor allem im Westen wechselhafter, zeitweise etwas Regen, zum Wochenende noch etwas zunehmend, eher mild. Im Südosten gebietsweise Dauergrau und teils auch tagsüber kalt um 0 Grad, nächtliches Glätterisiko.
Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 07.12.2025
Zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch liegt Deutschland vorderseitig eines Westeuropatroges, der sich weit nach Süden erstreckt und später dann wohl auch über dem Norden Afrikas abtropft. Das korrespondierende Bodentief liegt nördlich von Schottland und schleifende Frontreste liegen über den westlichen Landesteilen und kommen kaum noch ostwärts voran. Tendenziell verlieren sie weiter an Wetterwirksamkeit. Damit einhergehend ist es überwiegend bewölkt, hier und da kann noch etwas Regen fallen, die Mengen sind gering. Nach Osten hin schließt sich der Übergangsbereich zu einer umfangreichen Hochdruckzone über Osteuropa/Russland an, mit einer auf leicht südöstliche Richtungen drehenden Strömung sickert etwas trockenere Luft ein und gebietsweise zeigen sich Wolkenlücken. Teils halten sich aber bereits in der Nacht gebildete Nebel-/Hochnebelfelder hartnäckig. In der Nacht zum Donnerstag breiten sie sich auch wieder aus oder verdichten sich. Bei leichtem bis mäßigem Nachtfrost besteht auch streckenweise Glättegefahr.
Am Donnerstag zieht das zunehmend kürzerwellige Trogresiduum auf der Vorderseite der über Westeuropa nachfolgenden Austrogung nordostwärts. Das von Westen nachfolgende Bodentief läuft gegen den umfangreichen Hochkomplex über Osteuropa/Russland an und schwächt sich ab, auch über dem Südosten Deutschlands herrscht höherer Luftdruck. Das Wetter gestaltet sich daher relativ ruhig. Im Westen und Norden wechselnd bis stark bewölkt, überwiegend aber voraussichtlich trocken, vielleicht kann im Zusammenhang mit dem Durchschwenkenden Kurzwellentrog hier und da mal etwas Sprühregen fallen. Im Südosten und Teilen des Ostens teils zäher Nebel oder Hochnebel, abseits davon vor allem im höheren Bergland oder im Lee der Mittelgebirge Sonnenschein. Gebietsweise Nachtfrost und streckenweise Glätte, im Dauergrau teils leichter Dauerfrost, sonst eher mild.
Am Freitag verliert der Westeuropatrog bei der Ostverlagerung und das Blocking über Osteuropa an Kontur, westlich der Britischen Inseln erfolgt eine neue Austrogung samt umfangreichem, korrespondierendem Bodentief. Beides tangiert Deutschland aber wohl noch nicht bzw. wohl höchstens mit von Westen zunehmender Bewölkung im späteren Tagesverlauf, im Vorhersagegebiet herrscht eher leichter Hochdruckeinfluss unter einer flache Hochdruckbrücke. Nach Nordosten gibt es noch etwas dichtere Bewölkung vom genannten Kurzwellentrog, eventuell auch mit geringem Regen, der aber wohl rasch abzieht. Vor allem im Süden/Südosten kann sich erneut Nebel oder Hochnebel halten, es bleibt dann bei Höchstwerten um oder leicht unter 0 Grad. Sonst gibt es wechselnde Bewölkung, gebietsweise (vor allem im höheren Bergland wie den Alpen) auch Sonnenschein. In der Nacht zum Samstag gebietsweise leichter, im Süden teils auch mäßiger Frost, streckenweise Glätte. Am Samstag zieht der zunehmende an Kontur verlierende Trog vom Freitag als Kurzwellentrog über die nördlichen Landesteile nordostwärts, dabei meist starke Bewölkung, vielleicht ein paar Regentropfen. Der nachfolgende Trog und das korrespondierende Bodentief verlagern sich ostwärts und greifen dann auch auf den Westen Deutschlands über. Von Westen her ist es überwiegend bewölkt, zeit- und gebietsweise kann es etwas regnen. Schnee oder Schneeregen fällt nur im höheren Bergland, die 850 hPa-Temperaturen liegen leicht über dem Gefrierpunkt. Im Südosten anfangs teils anhaltend neblig-trüb, teils Sonne, auch dort später zunehmend bewölkt. Ostwärtiges Ausgreifen des aufkommenden Regen am Abend und in der Nacht zum Sonntag unsicher, ggf. im Übergangsbereich zur kühleren Grundschicht im Südosten etwas erhöhte Glättegefahr nicht ausgeschlossen. Auch der Gradient nimmt etwas zu, im Bergland und an den Küsten frischt der Wind aus Süd bis Südost böig auf, im höheren Bergland teils auch stark bis stürmisch. An der Küste ist er meist ablandig, von daher besteht am ehesten auf den Nordseeinseln ein gewisses Potenzial für warnrelevante Böen. Nachts gebietsweise leichter Frost.
Am Sonntag liegen die Trogachse und das korrespondierendes Bodentief mit seinem Zentrum leicht westlich unseres Vorhersagegebietes. Im Osten liegt nach wie vor das umfangreiche blockierende Hoch. Durch das Blocking verlieren sowohl der Trog als auch das Bodentief an Kontur/Intensität. Vor allem über den westlichen Landesteilen dominiert daher dichte Bewölkung mit zeitweilig leichtem Regen, in Gipfellagen vielleicht auch Schnee oder Schneeregen. Wolkenlücken abseits von Nebel/Hochnebel am ehesten auch mal im Osten und Südosten, dort auch weitgehend trocken. Im Bergland und an den Küsten bzw. auf See teils stark böiger bis stürmischer Wind, meist aus Südost. Gebietsweise wieder leichter Nachtfrost, stellenweise Glätte.
In der erweiterten Mittelfrist von Westen neue Anläufe in Richtung zunehmend zyklonal geprägter Witterung von Westen. Unsicher, wie stark bzw. nachhaltig von Osten her das Blocking ist. Zumindest die westlichen Landesteile tendenziell mit mehr Bewölkung und zeitweise Regen, nach Osten hin weniger zyklonal.
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der vorliegenden IFS-Modellläufe ist zu Beginn der Mittelfrist noch ganz gut, die Timing- und Amplitudenunterschiede nehmen allerdings zum Ende der Woche recht rasch zu. Ab Freitag gibt es somit zunehmende Unsicherheiten hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs und wie stark das Blocking über Osteuropa das Übergreifen der zyklonalen Strukturen von Westen her be-/verhindert. Das Wetter im Westen des Landes scheint sich relativ sicher zunehmend zyklonaler zu gestalten, nach Osten hin kann eventuell auch weiterhin eher ruhiges Wetter dominieren. Dabei würden dann weiterhin spätherbstliche/leicht winterliche Grundschichtproblematiken (zäher Nebel/Hochnebel, Nachtfrost bzw. vielleicht auch leichter Dauerfrost, vor allem nächtliches Glätterisiko) dominieren. Dabei gestaltetet sich der aktuellste IFS-Lauf leicht progressiver als die Vorgänger.
Vergleich mit anderen globalen Modellen
Ein Blick auf andere Globalmodelle zeigt zunächst sehr ähnliche Strukturen. Auch hier nehmen die Unterschiede zum Ende der Woche hin mehr und mehr zu. Dabei lässt sich feststellen, dass das IFS die zyklonalste Variante zeigt. Auch das GFS zeigt deutlich zyklonale Strukturen, aber etwas anders konturiert und nach Süden hin teils auch mit leicht antizyklonalem Einschlag (flache Hoch-/Geopotenzialbrücke). Beim ICON dominiert auch am Wochenende noch recht häufig Hocheinfluss (Hochbrücke, rasches Durchschwenken eines eher flachen Troges mit wenig Wetterwirksamkeit).
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Bereits zu Beginn der Mittelfrist (Mittwoch 00 UTC bis Donnerstag 00 UTC, +72 bis +96 h) werden fünf Cluster mit 18, 13, 9, 8 und 3 Membern gezeigt. Alle werden dem Regime negativer NAO zugeordnet. Haupt- und Kontrolllauf werden mit insgesamt 13 Membern in Cluster 2 eingruppiert. Prinzipiell sehen die fünf Varianten aber für unseren Vorhersagebereich relativ ähnlich aus, mit eher sehr geringen Unterschieden in der Ausgestaltung des Trogkomplexes über Westeuropa. Es ist also schwierig, eine Prognoserelevanz zu erkennen. Im Folgezeitraum von Freitag 00 UTC bis Sonntag 00 UTC (+120 bis + 168 h) sind drei Cluster mit 25, 14 und 12 Membern zu sehen, Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 1. Hier sind in den Clustern etwas größere Unterschiede in der Trog-Keil-Struktur zu erkennen, die teilweise dem Regime Blocking, teils dem NAO negativ zugeordnet werden. Für Deutschland ergeben sich Unterschiede in der Stärke des von Westen übergreifenden Troges und dem Maß an Ostverlagerung desselben. Dabei gibt es keine klare Außenseiterlösung. Cluster 1 mit Haupt- und Kontrolllauf nimmt hier eine eher mittlere Variante ein. Es ist aber möglich, dass der Osten weitgehend unbeeinflusst bleibt unter einem insgesamt schwächeren Trog (Cluster 2, 14 Member) oder auch etwas rascher ins zyklonale Regime übergeht (Cluster 3, 12 Member). In der erweiterten Mittelfrist ab Montag (8.12., +192 h) werden die Unsicherheiten naturgemäß nicht kleiner... Es werden vier Cluster mit 17, 13, 11 und 10 Membern angeboten, Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 1. Dabei reichen die Lösungen vom anhaltenden Blocking über Osteuropa und vor allem im Süden/Südosten antizyklonal konturiertem Umfeld bis hin zu einem Durchgreifen des Troges oder auch einem neuen, von der Iberischen Halbinsel nordostwärts ausgreifenden Keil.
Die Rauchfahnen zeigen hinsichtlich der 850 hPa-Temperatur ein relativ gleichbleibendes Niveau bei sich vergrößerndem Spread. Der Mittelwert, in dem auch der Kontrolllauf gut eingegliedert ist, schwankt etwas um den Gefrierpunkt mit leichter Tendenz nach oben in der erweiterten Mittelfrist, wobei dann der Kontrolllauf nach oben ausschlägt und die Bündelung der Member insgesamt weiter nachlässt. Es lässt sich aber festhalten, dass die Abweichungen und Ausreißer nach unten, also hin zu winterlichen Temperaturen, kaum vorhanden sind. Nach Süden hin zeigen sich deutlich weniger Niederschlagssignale als in den nördlichen und westlichen Landesteilen, sie nehmen aber auch dort im Lauf des Wochenendes bzw. in der erweiterten Mittelfrist zu. Das Geopotenzial in 500 hPa geht tendenziell eher zurück, der Spread nimmt insbesondere zum Ende der Woche hin zu und weitet sich zu erweiterten Mittelfrist nochmals deutlich. Dann auch mit einigen Membern mit höherem Geopotenzial als im deterministischen Lauf. Alles in allem keine Überraschungen zu den obigen Ausführungen.
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Insgesamt eher warnarm, vor allem wahrscheinlich aber keine markanten Wettergefahren.
FROST/GLÄTTE: Gebietsweise leichter, Mittwoch bis Freitag vor allem im Südosten teils mäßiger Nachtfrost, streckenweise dabei Glätte durch Reif oder gefrierende Nässe. Im Dauergrau vor allem Mittwoch und Donnerstag teils leichter Dauerfrost nicht ausgeschlossen.
WIND: Am Freitag und am Wochenende im Bergland, ggf. auch auf den Nordseeinseln (sonst ablandig) zeitweise starke bis stürmische Böen aus südlichen Richtungen (häufig Südost).
Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-EPS, MOS-Mix
VBZ Offenbach / Dipl.Met. Sabine Krüger